Frauentag 2026: Warum der Weg zur Gleichstellung auch über Geld führt
- Aljoscha Moser

- vor 2 Tagen
- 7 Min. Lesezeit

Der Internationale Frauentag am 8. März ist mehr als ein symbolischer Tag. Er ist eine gute Gelegenheit, um über Themen zu sprechen, die den Alltag und die Zukunft von Frauen beeinflussen. Eines dieser Themen ist Geld, genauer gesagt finanzielle Eigenständigkeit. Denn finanzielle Eigenständigkeit bedeutet Sicherheit und Selbstbestimmung, also die Möglichkeit, das eigene Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten.
Weshalb Frauen sich mit ihren Finanzen beschäftigen sollten
Noch immer übernehmen Frauen im Vergleich zu Männern häufiger unbezahlte Care-Arbeit, arbeiten öfter Teilzeit, verdienen über ihr Leben hinweg im Durchschnitt weniger und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger wegen Familien- oder Betreuungspflichten. Zudem sind sie vermehrt in Berufen mit tieferem Lohnniveau tätig. Das wirkt sich nicht nur auf das laufende Einkommen aus, sondern langfristig auch auf die Ersparnisse, den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge.
Ein weiterer Punkt ist die Sozialisation. Viele Frauen lernen zwar, mit Geld umzugehen, etwa weil sie das Haushaltsbudget verwalten, aber nicht unbedingt, sich aktiv um Vermögensaufbau zu kümmern. Investieren wird oft als zu riskant oder zu komplex wahrgenommen. Das liegt auch daran, dass Finanzthemen häufig unnötig kompliziert dargestellt werden und Fachbegriffe sowie eine oft männlich geprägte Finanzkultur abschreckend wirken können.
Finanzielle Eigenständigkeit ist gelebte Selbstbestimmung
Finanzielle Eigenständigkeit bedeutet, die Kontrolle über die eigenen finanziellen Entscheidungen zu haben. Wer eigenes Geld verdient, Rücklagen bildet und Vermögen aufbaut, ist in vielen Lebenslagen freier. Das beginnt bei kleinen Entscheidungen im Alltag und reicht bis zu grossen Fragen, wie: Kann ich meinen Job wechseln? Kann ich mich aus einer ungesunden Beziehung lösen? Kann ich eine Auszeit nehmen, eine Weiterbildung finanzieren oder meinen Kindern später unter die Arme greifen?
Wer finanziell eigenständig ist, kann stärker aus Überzeugung handeln. Genau das macht dieses Thema so zentral. Denn Geld ist kein Selbstzweck. Es geht nicht darum, möglichst viel anzuhäufen, sondern Möglichkeiten zu schaffen. Wer Vermögen aufbaut, schafft sich ein Sicherheitsnetz und erweitert seinen Handlungsspielraum.
Viele Frauen verlassen sich noch immer zu stark auf den Partner oder auf die Annahme, dass es schon irgendwie aufgehen wird. Doch Lebensentwürfe können sich ändern, Beziehungen können enden, Erwerbsbiografien verlaufen selten linear und auch Krisen können finanzielle Sicherheit plötzlich infrage stellen. Ein eigenes finanzielles Fundament ist deshalb kein Ausdruck von Misstrauen gegenüber dem Partner, sondern ein Zeichen der Verantwortung sich selbst gegenüber.
Sparen allein reicht langfristig nicht aus
Viele Menschen verbinden finanzielle Vernunft mit Sparen. Doch langfristig reicht reines Sparen meist nicht aus, um Vermögen aufzubauen. Das gilt besonders in Zeiten, in denen die Inflation die Kaufkraft belastet. Geld, das jahrelang praktisch unverzinst auf dem Konto liegt, verliert real an Wert.
Genau deshalb ist Investieren so wichtig. Investieren bedeutet, das eigene Geld für sich arbeiten zu lassen. Man baut Schritt für Schritt ein Vermögen auf, das Rendite erwirtschaften kann. Wer regelmässig investiert, profitiert langfristig vom Zinseszinseffekt und vom Wachstum der Weltwirtschaft.
Investieren ist kein Männerthema
Noch immer hält sich hartnäckig das Klischee, die Börse sei etwas für Experten, für Risikofreudige oder eben vor allem für Männer. Dieses Bild ist veraltet und schlicht falsch. Investieren steht allen offen, und niemand muss Wirtschaft studiert haben, um solide Anlageentscheidungen zu treffen. Wer langfristig und breit diversifiziert investiert und unnötige Kosten vermeidet, braucht keine komplizierte Strategie. Häufig sind es gerade die einfachen Ansätze, die langfristig überzeugen, etwa eine Strategie mit wenigen breit diversifizierten und kostengünstigen ETFs.
Es zeichnet sich eine positive Entwicklung ab: Daten der Saxo Bank zeigen, dass die Zahl der Kundinnen in der Schweiz seit 2021 um 40 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig stieg der Frauenanteil unter allen Kunden von 19,8 auf 23,5 Prozent. Aktuell sind 28.9% aller Saxo Neukunden weiblich. Diese Zahlen zeigen, dass Frauen noch lange nicht vergleichbar häufig investieren wie Männer. Dennoch ist zu erkennen, dass immer wie mehr Frauen ein eigenes Depot eröffnen, Geld einzahlen und mit dem Investieren beginnen.
Studien deuten zudem darauf hin, dass Frauen oft über Persönlichkeitsmerkmale verfügen, die für das Investieren vorteilhaft sind. Sie handeln tendenziell weniger impulsiv, investieren häufiger langfristig und lassen sich weniger von kurzfristiger Börsenhysterie treiben als Männer. Auch die Saxo Bank weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Frauen tendenziell häufiger nach dem Buy-and-hold-Prinzip investieren, also langfristig orientiert bleiben. Genau diese langfristige Perspektive ist eine gute Grundlage für den nachhaltigen Vermögensaufbau.
Warum frühes Investieren so wertvoll ist
Der vielleicht grösste Verbündete beim Vermögensaufbau ist die Zeit. Je früher man beginnt, desto länger kann das investierte Geld wachsen. Das gilt selbst dann, wenn anfangs nur kleine Beträge investiert werden können. Der Zinseszinseffekt sorgt nämlich dafür, dass nicht nur das ursprünglich investierte Geld Erträge erwirtschaftet, sondern auch bereits erzielte Erträge wiederum Erträge abwerfen.
Gerade deshalb ist der zeitnahe Einstieg wichtiger als die perfekte Strategie. Investieren ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Wer früher startet, gibt dem Zinseszinseffekt mehr Zeit, seine Wirkung zu entfalten. Und Zeit ist ein Vorteil, den alle nutzen können – unabhängig davon, ob man 50, 100 oder 1’000 Franken pro Monat investieren kann.
Gerade am Frauentag lohnt sich deshalb eine klare Botschaft: Warten ist keine Strategie. Man muss nicht erst «mehr verdienen», «mehr wissen» oder auf «den perfekten Moment» warten. Viel wichtiger ist es, überhaupt anzufangen.
Der erste Schritt: Die eigenen Finanzen wirklich kennen
Bevor es ans Investieren geht, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die finanzielle Ausgangslage. Viele Menschen wissen ungefähr, was monatlich reinkommt und rausgeht, aber nur wenige haben einen klaren Überblick über ihre gesamte Situation.
Wer finanziell eigenständig werden will, sollte wissen, wie hoch die fixen Ausgaben sind, welche Reserven vorhanden sind, ob Schulden bestehen, welche Versicherungen laufen und wie die eigene Vorsorgesituation aussieht. Auch gemeinsame Finanzen in einer Partnerschaft sollten transparent geregelt sein. Wer einen Teil der Familienarbeit übernimmt, sollte die langfristigen Folgen für Einkommen, Vorsorge und Vermögen kennen und nicht stillschweigend hinnehmen.
Notgroschen, Absicherung und Planbarkeit
Finanzielle Eigenständigkeit beginnt nicht direkt mit dem Depot, sondern mit Stabilität. Dazu gehört ein Notgroschen für unerwartete Ausgaben wie eine Autoreparatur, eine grössere Zahnarztrechnung oder eine Phase ohne Einkommen. Dieses Geld gehört nicht an die Börse, sondern sollte auf dem Konto verbleiben, damit im Ernstfall schnell darauf zurückgegriffen werden kann.
Ebenso wichtig ist die persönliche Absicherung. Wer Kinder hat, selbständig ist oder in Teilzeit arbeitet, sollte besonders genau hinschauen: Was passiert bei Krankheit, Unfall oder Erwerbsausfall? Wie sieht die Absicherung im Alter aus? Gibt es Vorsorgelücken? Gerade Frauen sollten diese Fragen nicht auf später verschieben, weil sich viele Nachteile erst nach Jahren deutlich zeigen. Wer auf alle diese Fragen eine Antwort hat, investiert entspannter. Denn wer weiss, dass mögliche Risiken aufgefangen werden können, wird bei Marktschwankungen weniger nervös reagieren.
Emotionen, Unsicherheit und der Mut zum Anfangen
Geld ist nie nur rational, sondern vielmehr emotional aufgeladen. Erfahrungen aus der Kindheit, die eigene Familiengeschichte, das Sicherheitsbedürfnis und gesellschaftliche Erwartungen prägen stark, wie Menschen mit Geld umgehen. Viele Frauen haben gelernt, vorsichtig zu sein, keine Fehler zu machen und Risiken eher zu meiden.
Es ist völlig normal, am Anfang Respekt vor dem Investieren zu haben. Hilfreich ist es, klein anzufangen und einen klaren Plan zu verfolgen. Wer etwa monatlich automatisiert mit einem ETF-Sparplan einen festen Betrag investiert, baut nicht nur Vermögen auf, sondern auch Routine. Aus Unsicherheit wird mit der Zeit Vertrautheit.
Einfach investieren: Weniger Komplexität, mehr Klarheit
Viele Menschen schrecken vor dem Investieren zurück, weil sie befürchten, ständig Märkte beobachten, Einzeltitel analysieren oder wirtschaftliche Entwicklungen vorhersagen zu müssen. Für viele Privatanlegerinnen eignen sich breit diversifizierte Anlagen, etwa über kostengünstige Indexfonds oder ETFs. Diese bilden ganze Märkte oder Indizes ab. In den meisten Fällen ist eine langweilige, konsequente Strategie langfristig erfolgreicher als das ständige Suchen nach dem nächsten Einzeltitel.
Diversifikation: der oft unterschätzte Schlüssel
Diversifikation gehört zu den wichtigsten Grundprinzipien beim Investieren. Gemeint ist damit, das Geld nicht einseitig auf wenige Titel, Regionen oder Anlageklassen zu konzentrieren. Wer breit streut, reduziert das Risiko, dass einzelne Fehlentwicklungen das gesamte Portfolio stark belasten.
Zum Thema Diversifikation zeigen die Daten der Saxo Bank einen interessanten Punkt: Obwohl Frauen häufig langfristig investieren, sind sie im Schnitt etwas seltener in verschiedene Anlageklassen investiert als Männer (35% gegenüber 39%). Laut Saxo erzielten Frauen mit einer Multi-Asset-Strategie im Jahr 2025 eine durchschnittlich um 1,1% höhere Rendite als Frauen, die nur in eine Anlageklasse investiert sind. Das deutet darauf hin, dass bessere Resultate nicht zwingend mit mehr Trading oder höherem Risiko verbunden sind, sondern mit einem robuster aufgebauten Portfolio.
Das ist ein zentraler Gedanke, gerade für langfristig orientierte Anlegerinnen. Wer nicht laufend handeln, spekulieren oder Märkte timen will, profitiert besonders von einer soliden Grundstruktur. Eine breite Diversifikation ist ein Werkzeug, um das Portfolio widerstandsfähiger zu machen.
Investieren als Form von Zukunftsgestaltung
Investieren wird oft rein technisch betrachtet: Rendite, Risiko, Produkte, Märkte. Doch im Kern ist Investieren auch eine Entscheidung für die eigene Zukunft. Wer investiert, sagt damit: Ich nehme meine Zukunft aktiv in die Hand. Ich warte nicht nur darauf, was passiert, sondern gestalte mit.
Gerade für Frauen kann dieser Gedanke sehr kraftvoll sein. Über Generationen hinweg waren Frauen in vielen Bereichen finanziell abhängig oder eingeschränkt. Heute bestehen zwar deutlich mehr Möglichkeiten, aber echte Gleichstellung entsteht nicht automatisch, sondern muss gelebt werden.
Das kann weit über die eigene Person hinauswirken. Finanzielle Bildung und Eigenständigkeit haben auch eine gesellschaftliche Dimension. Frauen, die sich mit Geld auseinandersetzen, setzen oft Impulse in ihrem Umfeld, in der Familie und für die nächste Generation. Kinder, die erleben, dass ihre Mutter selbstständig finanzielle Entscheidungen trifft und investiert, erhalten ein entsprechendes Bild von Geld und Rollenverteilung vorgelebt.
Der Frauentag als Anlass für den Start mit dem Investieren
Wer über Gleichstellung spricht, sollte auch über Geld sprechen. Denn ohne finanzielle Unabhängigkeit bleibt Selbstbestimmung unvollständig. Eigenes Einkommen, ein solider Überblick über die eigenen Finanzen, kluge Vorsorge und langfristiger Vermögensaufbau schaffen Sicherheit und eröffnen Möglichkeiten.
Investieren ist ein wichtiges Werkzeug für alle, die ihre Zukunft selbst gestalten wollen. Gerade Frauen profitieren davon, früh Verantwortung für die eigenen Finanzen zu übernehmen und den Vermögensaufbau nicht anderen zu überlassen.
Der Internationale Frauentag eignet sich ideal, um beim Thema Finanzen nicht nur Missstände zu benennen, sondern konkrete Schritte einzuleiten. Er erinnert daran, dass Gleichberechtigung nicht nur politische Rechte oder gesellschaftliche Anerkennung umfasst, sondern auch wirtschaftliche Teilhabe und finanzielle Unabhängigkeit.
Vielleicht ist genau jetzt der richtige Moment, das eigene Budget zu ordnen, ein Depot zu eröffnen, die Vorsorgesituation zu prüfen und sich mit dem Vermögensaufbau zu beschäftigen.
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Quelle:
"Women investors are growing fast, and the next opportunity is diversification" by Charu Chanana, Chief Investment Strategist, Saxo Bank


